Wer ist eigentlich diese Frau, die in Talkshows so klar und unaufgeregt über den Iran, Gaza oder die Kurden spricht? Viele Deutsche kennen ihr Gesicht aus dem „Weltspiegel“, hören ihre Kommentare in den „Tagesthemen“ oder sehen ihren Namen auf Bestsellerlisten. Doch hinter dem Namen Natalie Amiri steckt mehr als eine Fernsehmoderatorin. Es steckt eine Reporterin, die jahrelang unter realer Gefahr aus Teheran berichtete, eine Autorin, die den Nahen Osten als vernetztes Schachspiel beschreibt, und eine Brückenbauerin mit deutsch-iranischen Wurzeln.
Dieser Artikel beantwortet die Fragen, die Menschen stellen, wenn sie „Natalie Amiri“ googeln: Wer ist sie? Warum musste sie den Iran verlassen? Was macht ihre Berichterstattung besonders? Und welche Bücher lohnen sich?
Wer ist Natalie Amiri? Herkunft und Prägung
Natalie Amiri wurde im Juli 1978 in München geboren. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Roohollah Amiri stammt aus der iranischen Wüstenstadt Yazd und kam 1965 nach Deutschland. Er arbeitete zunächst als Teppichexperte und eröffnete später in München nahe dem Isartor ein eigenes Geschäft. Die Familie lebte bürgerlich – zwischen Perserteppichen, Leberkässemmeln und dem damaligen Trend zu Bio-Gemüse und Waldorf-Ideen.
Schon als Kind wollte sie aus Krisenregionen berichten. Die Nachrichten über den Iran-Irak-Krieg, die sie mit den Eltern sah, ließen sie Koffer packen. Diese frühe Faszination führte sie nach dem Abitur zu einem Praktikum in Teheran und dann zum Studium.
Ab 1999 studierte sie Orientalistik und Islamwissenschaft mit Schwerpunkt Iranistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Mit einem DAAD-Stipendium verbrachte sie Semester in Teheran und Damaskus. 2005 schloss sie als Diplom-Orientalistin ab. Danach arbeitete sie zwei Jahre in der Presse- und Politikabteilung der deutschen Botschaft in Teheran. Diese Zeit gab ihr Zugang und Verständnis, die reine Universitätskenntnisse nicht bieten.
Ihre bilinguale und bikulturelle Prägung ist kein Marketing-Detail. Sie selbst sagt, dass der ständige „Kulturflug“ zwischen den Welten Empathie und Zugänglichkeit schafft – und gleichzeitig die Fähigkeit, eurozentrische Blickwinkel zu verlassen.
Der Weg zur ARD-Korrespondentin
2007 begann Natalie Amiri als Korrespondentin für die ARD aus dem Studio Teheran. Ab 2011 arbeitete sie freiberuflich für Tagesthemen, Tagesschau, Report München und andere Formate. Sie berichtete auch aus Istanbul, Athen und Rom.
Im März 2014 übernahm sie die Moderation des „ARD-Weltspiegel“ aus München – eine der wichtigsten Auslandssendungen des deutschen Fernsehens. Parallel moderierte sie bis 2024 das BR-Europamagazin „euroblick“ und kommentiert regelmäßig in den Tagesthemen.
Von 2015 bis 2020 leitete sie das ARD-Studio in Teheran. In dieser Zeit berichtete sie über Hinrichtungen, Drogenkonsum, Frauenrechte und afghanische Söldner, die der Iran nach Syrien schickte. Das Regime beobachtete sie genau. Im Sommer 2019 befürchtete das Auswärtige Amt bereits, dass sie als politische Geisel genommen werden könnte. Im Mai 2020 kam die klare Warnung: Sie solle nicht mehr einreisen. Amiri musste die Studioleitung abgeben. Ihre Nachfolgerin wurde Katharina Willinger.
Seit 2024 arbeitet sie in Vertretung für das ARD-Studio in Tel Aviv. Die Nähe zum aktuellen Konflikt und die Möglichkeit, von mehreren Seiten zu berichten, passen zu ihrem Ansatz.
Was macht ihre Arbeit besonders?
Natalie Amiri gilt als eine der profiliertesten Stimmen zum Nahen und Mittleren Osten im deutschen Journalismus. Sie kombiniert Ortskenntnis, Sprachkompetenz (Persisch) und den Willen, leiseren Stimmen Gehör zu verschaffen – Frauen in Gaza, Angehörigen israelischer Geiseln, kurdischen Kämpferinnen in Rojava oder iranischen Aktivistinnen.
Ihre Reportagen und Kommentare zeichnen sich durch Klarheit ohne Vereinfachung aus. Sie erklärt, warum der 7. Oktober 2023 das „vernetzte Spiel“ in der Region in eine neue Phase katapultierte: Hamas geschwächt, Hisbollah unter Druck, Assad-Regime gefallen, iranisches Regime unter internem Druck. Gleichzeitig warnt sie vor vorschnellen Deals, die dem Regime neue Legitimität geben könnten.
Auszeichnungen unterstreichen die Qualität: 2022 und 2024 Politikjournalistin des Jahres (medium magazin), „Glas der Vernunft“ 2023, Nominierungen für Grimme-Preis und Deutschen Fernsehpreis. Frühere Arbeiten wie die Dokumentation „Tod vor Lampedusa – Europas Sündenfall“ und „Verschwunden in Deutschland“ (über vermisste Flüchtlingsjungen) zeigten bereits ihren investigativen Anspruch.
Die Bücher: Von Iran über Afghanistan zum Nahost-Komplex
Drei Bücher von Natalie Amiri wurden SPIEGEL-Bestseller:
- „Zwischen den Welten“ (2021)
Persönlich und politisch zugleich. Amiri gibt Menschen im Iran eine Stimme und beschreibt Macht und Ohnmacht unter dem Regime. Das Buch entstand aus jahrelanger Arbeit vor Ort und dem Wissen um die Risiken. - „Afghanistan – Unbesiegter Verlierer“ (2022)
Eine Analyse der Geschichte und der aktuellen Lage nach dem Rückzug des Westens. Klar, ohne Pathos, mit Blick auf die Menschen vor Ort. - „Der Nahost-Komplex. Von Menschen, Träumen und Zerstörung“ (2025)
Das aktuellste und umfassendste Werk. Amiri beschreibt die Region als Schachspiel auf mehreren Brettern gleichzeitig. Jeder Zug auf einem Brett löst Bewegungen auf den anderen aus. Sie hat für das Buch mit Frauen aus Gaza, Angehörigen von Geiseln und kurdischen Kämpferinnen gesprochen. Das Buch erschien im Oktober 2025 und spiegelt die dramatischen Verschiebungen nach dem 7. Oktober wider.
Die Bücher funktionieren, weil sie nicht nur analysieren, sondern erzählen. Amiri lässt Menschen zu Wort kommen, die in der großen Geopolitik oft untergehen.

Warum Natalie Amiri eine Brückenbauerin ist
Viele Journalisten berichten über den Nahen Osten. Wenige tun es mit der Kombination aus persönlicher Verbindung, linguistischer Kompetenz und dem Willen, beide Seiten zu hören, ohne in Relativierung zu verfallen. Amiri positioniert sich klar gegen Extremismus, Islamismus und Antisemitismus. Gleichzeitig fordert sie, den leiseren Stimmen zuzuhören – denjenigen, die in totalitären Systemen oder unter Besatzung leben.
Ihre eigene Erfahrung mit dem iranischen Regime (Drohungen, die Notwendigkeit, das Land zu verlassen) verleiht ihren Warnungen Gewicht. Gleichzeitig betont sie die kulturelle und menschliche Seite des Iran – den Geruch von Blumen, die innere Zufriedenheit, die sie mit der Heimat ihres Vaters verbindet.
Für Zuschauer und Leser in Deutschland ist das wertvoll: Sie liefert Einordnung, ohne den moralischen Zeigefinger oder die vorschnelle Partei ergreifen zu müssen. Sie erklärt Komplexität, ohne sie unverständlich zu machen.
Aktuelle Rolle und öffentliche Präsenz
Neben dem „Weltspiegel“ und den Tagesthemen ist Natalie Amiri häufig in Talkshows und bei Veranstaltungen zu Gast. Sie spricht über die Lage im Iran, die Folgen des Gaza-Kriegs, die Rolle der Zivilgesellschaft und die Gefahr, dass Deals zwischen Mächten die Bevölkerung weiter schwächen. Als Speakerin analysiert sie die Region mit dem Bild des Mehr-Bretter-Schachs – ein Bild, das viele Zuhörer nachhaltig prägt.
Ihre Instagram-Präsenz und öffentliche Auftritte zeigen eine Journalistin, die Stellung bezieht, ohne in Aktivismus abzugleiten. Sie kocht persisch für Zeitzeuginnen, kommentiert politische Abstimmungen und bleibt nah an den Menschen, über die sie berichtet.
FAQ zu Natalie Amiri
Wann wurde Natalie Amiri geboren und wo?
Im Juli 1978 in München. Genaues Datum wird meist mit 11. Juli angegeben.
Warum musste Natalie Amiri den Iran verlassen?
Wegen einer Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amts 2020. Es bestand die Sorge, dass sie als politische Geisel genommen werden könnte.
Welche Bücher hat Natalie Amiri geschrieben?
„Zwischen den Welten“ (2021), „Afghanistan“ (2022) und „Der Nahost-Komplex“ (2025). Alle wurden SPIEGEL-Bestseller.
Moderiert Natalie Amiri noch den Weltspiegel?
Ja, seit 2014 aus München.
Was ist der besondere Blickwinkel von Natalie Amiri?
Ihre deutsch-iranische Herkunft, die jahrelange Arbeit vor Ort und der Fokus auf leisere Stimmen in der Region.
Was Leser und Zuschauer von Natalie Amiri erwarten können
Wer Natalie Amiri folgt, bekommt:
- fundierte Einordnung aktueller Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten,
- Berichte, die Menschen und Strukturen verbinden,
- eine Perspektive, die deutsch-iranische Erfahrungen ernst nimmt,
- Bücher, die Komplexität zugänglich machen.
Sie ist keine neutrale Beobachterin im klassischen Sinne. Sie ist eine Journalistin mit Haltung, die aus eigener Erfahrung weiß, wie teuer Wahrheit in autoritären Systemen sein kann.


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